Frank Dittmer Sprach- und Sprechartist
Frank DittmerSprach- und Sprechartist

Lead-Gesang

Frank Dittmer als Solo- und Ensemble-Sänger

Frank Dittmer (rechts hinten) im Ensemble von "Barney O'Flynn's Lighthouse Company" 1988

„Ich war eigentlich immer schon ein singender Knabe¨, bekundet Frank Dittmer, „ohne je ein Sängerknabe gewesen zu sein.“ Schon im Grundschulalter wirkte sein Knabenalt in Mozarts Requiem und Bachs Weihnachtsoratorium mit. Schumanns Rat: „Singe viel, namentlich in Mittelstimmen“ hat er lebenslang beherzigt.

 

Nach dem Stimmbruch folgten erste kleine Solopartien, an die er in Berliner Studienzeiten im universitären Collegium Musicum wieder anknüpfen sollte. Den „Abzweig ins Gesangsstudium“, wie Dittmer es nennt, hat er aber nicht genommen, weil er sich am Klavier und in der Musiktheorie nicht fit genug fühlte. „Nur eine schöne Stimme reichte bei meinem Vorsingen an der Hochschule eben leider doch nicht aus...“

 

Halbjährlich in der Berliner Philharmonie an großen Chorwerken mitwirkend, trat Frank Dittmer dort immer wieder in kleinen Soli hervor, etwa als Vorsänger in der Orff'schen Carmina Burana, ebenso als Solosprecher bei einer sinfonischen Uraufführung zum Berliner Stadtgeburtstag. Mitte der 1980er Jahre gründete Dittmer mit anderen Choristen das Berliner Barbershop-Quintett „Barney O‘ Flynn‘s Lighthouse Company“, das sich von Kurzauftritten über die Kleinkunstbühnen bis in den legendären RIAS Berlin hineinsang.

 

Ebenso solistisch tätig wurde er im Ensemble „Die Schwiegersöhne“, die Anfang der 1990er mit Anklängen an die Comedian Harmonists und von Dittmer geschriebenen Musikkabarett-Programmen auf die Bühne traten und es ebenfalls bis ins Radio schafften. Das Mitwirken in großen Chorwerken blieb parallel stets die Grundlage für Frank Dittmers musikalische Weiterentwicklung. In Anhalt trat er etwa in den frühen 2000ern mit dem Extrachor des Dessauer Theaters auf die große Opernbühne, so u.a. im „Rosenkavalier“.

Frank Dittmer auf der Internationalen Chorakademie 2018 in Assisi

„Noch nie habe ich eine so innige Verwandtschaft zu Bach verspürt wie im familiär kleinen Chor der Oranienbaumer Kirchengemeinde“, bekennt Frank Dittmer. Diese intensive Repertoirearbeit machte ihm später zu Berliner Zeiten Lust und Mut, in ambitionierte Ensembles wie das „Ensemble Unisono“ und den „Motettenchor Spandau“ einzutreten, die sich insbesondere mit Aufführungen Alter Musik einen Namen machten.

 

Deren Konzerte führten ihn auf Auslandsreisen bis nach Rom und Budapest. Zwei große Chorakademien in Spoleto mit Aufführungen in Rom und Assisi klingen bis heute in Dittmer nach. „Nach einem flugangstgeplagten Jahrzehnt ging es erstmals mit dem Jet nach Rom zum Bachkonzert ‚Jesu meine Freude‘. Über alle Turbulenzen half das innerliche Summen von

‚Tobe Welt und springe - ich steh hier und singe‘ hinweg. Seitdem kann ich wieder sorgenfrei in den Himmel steigen. Soll man es eine musikalische Therapie nennen?“

 

Viel eher sportliches Stimmtraining statt Therapie waren und sind Frank Dittmers Einsätze als Drehorganist, zu denen er natürlich aus voller Kehle Berliner Lieder, Jazzstandards, Moritaten oder Weihnachtsmelodien schmettert.  „Wer da keine Stimme hat, ist rettungslos hinter dem lauten Instrument verloren“, stellt Dittmer lakonisch fest. Und technische Verstärkung passt einfach nicht für den historischen Moritatensänger.

 

Die Wiederbegegnung mit dem Collegianer Johannes Gahl bildete Ende 2019 die neueste Weggabelung für Frank Dittmers Stimmeinsatz. Als sensibler Liedbegleiter hat Gahl ihn ermutigt und unterstützt, sich solistisch weiterzuentwickeln, insbesondere das deutsche Chansonrepertoire der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu erkunden und auf die Kleinkunstbühne zu bringen. Beide erarbeiten nun vielfarbige Programme unter Einsatz der Sprechstimme zur Musik, durchdrungen mit literarischen Texten und einer Vielfalt deutscher Chansons von Friedrich Hollaender bis Georg Kreisler.

 

Frank Dittmer und Johannes Gahl:                        Repertoire der Chansonprogramme

Kurt Tucholsky:

"... und dazwischen Zwischenräume..."

Texte, Chansons und Musik der Zwanziger Jahre

 

In ihrem aktuellen, politischen Tucholsky-Programm widmen sich Dittmer und Gahl in Texten, Chansons und Musik den 1920er Jahren, die nicht so golden waren wie ihre spätere Verklärung. Wie hier um goldene Kälber und auf dem Pulverfass getanzt wurde, erinnert fatal an unsere heutigen "Zwanziger". Dabei ahnt Tucholsky mehr als deutlich den nächsten Welt-Krieg voraus und schleudert ein mahnendes: "Nie wieder Krieg!" heraus. Dazu gibt es Chansons zu Tucho-Texten von Eisler und Hollaender und Musik von Eric Satie, Bela Bartik und Max Reger.

"Wie schön wäre Wien ohne Wiener"
Ein letzter Gruß von Georg Kreisler

Den Wiener Kabarettisten Georg Kreisler, geboren vor 100 Jahren, verband zeitlebens eine muntere Hassliebe mit seiner Heimatstadt. Daheim wünschte er sich weit fort - war er fern der Heimat, wurde er zum Wiener „Nachweiner“. Frank Dittmer und Johannes Gahl haben aus Kreislers umfangreichem Werk heitere Chansons über das Wiener (Musik-) Leben herausgesucht und garnieren sie in ihrem neuen literarischen Musik-Programm mit biografischen Selbstaussagen Kreislers und kleinen Werken der Wiener Klavier-Klassik zu einem ironisch melan-komischen Plädoyer für die „Musikstadt“.

Satie - Dada...  Ist sowas erlaubt ?

Musik und Texte von Erik Satie und anderen Nonkonformisten und Dadisten aus einer turbulenten Zeit.

 

Markenzeichen des 1866 geborenen Komponisten Erik Satie sind seine verspielt-pointierten Klavier-Miniaturen.

 

Im heiteren Literatur-Musik-Programm von Frank Dittmer und Johannes Gahl bilden sie nuancenreiche Übergänge zwischen den Lautgedichten, absurder Kurzprosa und nicht ganz ernst zu nehmenden Manifesten, die von der kurzlebigen Kunstbewegung der „Dadaisten“ überliefert sind.

 

Heraus kommt ein amüsantes Textvergnügen von Autoren wie Christian Morgenstern, Hugo Ball, Kurt Schwitters und Ernst Jandl. Aber auch Satie selbst hat geschliffene Prosa verfasst und als ironischen Sprechtext seinen Piano-Lautmalereien unterlegt.